6
Apr
2006

März-Auslese

Jan Gaspard, Offenbarung 23 - Die Wahrheit ist unsterblich
In Berlin wird die Hacker-Legende Tron, alias Boris F., erhängt in einem Park aufgefunden. In Las Vegas töten mehrere Schüsse den berühmten Rapper Tupac Amaru Shakur. Eine geheimnisvolle CD bildet offensichtlich eine Verbindung zwischen den beiden Morden. Oder ist alles bloß ein raffiniertes Täuschungsmanöver? Eines ist jedenfalls klar: Der Top-Hacker scheint zu Lebzeiten viele Geheimnisse entschlüsselt zu haben. Weshalb sich Geheimdienste und obskure Zirkel für ihn interessierten.

Selten habe ich so viel Unfug auf so wenig Seiten gelesen. Es ist mir ein Rätsel, warum diese Serie so erfolgreich ist. Eine wirre an den Haaren herbeigezogene Story, komische Charaktere, die sich merkwürdig benehmen und merkwürdig sprechen. (ohne Bewertung)


Terry Pratchett, The Truth
(2000)
"The Truth" handelt von der Entstehung von Ankh-Morporks erster Zeitung, dessen Herausgeber fast augenblicklich zum recherchierenden Journalisten wird.

Nett für Zwischendurch - mal wieder etwas auf Englisch und immer wieder schön, was Herrn Pratchett so alles einfällt (***)

Arundhati Roy, Der Gott der kleinen Dinge
(The God of Small Things, 1997)
Ein himmelblauer Straßenkreuzer fährt an einem klaren Dezembermorgen des Jahres 1969 durch die Reisfelder des südindischen Kerala. Doch was als sonnendurchflutete Autofahrt beginnt, endet in einer Tragödie …
Voller Sprachmagie erzählt Arundhati Roy die atemberaubende und schillernde halbautobiografische Geschichte einer Familie, die an verbotener Liebe zerbricht.

"Sprachmagie" trifft es schon sehr richtig - Roy hat eine sehr starke und poetische Bildsprache und ich habe doch ein bisschen Einlesezeit für den "Gott der kleinen Dinge" gebraucht. Wenn man sich dann an den Erzählfluß gewöhnt hat, die Rückblenden nachvollziehen und die ganzen Familienmitglieder auseinander halten kann, dann gelingt es auch, dass man sich auf die Geschichte einlässt und sich davon verzaubern lässt. (****)

Paul Auster, Nacht des Orakels
(Oracle Night, 2003)
In seinem Roman "Nacht des Orakels" versucht Auster dem Geheimnis zufälliger Begegnungen auf die Spur zu kommen, die dem Leben ihre entscheidende Wendung geben. Der Romanheld Sidney Orr gewinnt in seinem neu geschenkten Leben zunächst alles, was er anstrebt, um wenig später durch unvorhersehbare Wendungen wieder alles zu verlieren.

Ich versuch es immer wieder - irgendwie ist er mir sympathisch, der Paul Auster. Aber außer mit "City of Glass", "Smoke", "Blue in the Face" und dem "Roten Notizbuch" kann ich mich nicht mit seinen Werken anfreunden. Was mir nun konkret an der "Nacht des Orakels" missfallen hat: Kaum steht der Personenaufbau der Hauptgeschichte wird man in die metafiktionale Ebene versetzt (der Held beginnt ja nun einen Roman zu schreiben) und muss noch einmal circa 30 Leute kennenlernen. Ach und dann kommt noch ein Filmscript … und zu guter Letzt gibt es zwar im Hauptplot ein paar überraschende Wendungen, die mich jetzt aber auch nicht wirklich überzeugt haben. (**)

Paul Auster, Das rote Notizbuch
(The Red Notebook and Other Writings, 1995)
Wie wirkt der Zufall auf unsere Existenz, und was steckt hinter dieser geheimnisvollen Macht? Diese Frage durchzieht Paul Austers gesamtes schriftstellerisches Werk. Über viele Jahre hat Paul Auster Ereignisse aus seinem Leben und aus dem Leben von Freunden festgehalten. Diese dreizehn unglaublichen Erzählungen ergeben "Das rote Notizbuch".

60 Seiten - kann man prima in einer Stunde in der Badewanne lesen, auch öfter mal in die Hand nehmen und sich an den kleinen Episoden erfreuen, die Paul Auster aufgeschrieben hat. (****)
in: Gelesenes

27
Mrz
2006

Lass mich schlafen ...

Lass mich schlafen, lass mich ruh'n.
Ich bin müde und hab nichts zu tun.

Die Welt soll warten bis ich komm.
Ich bin hier in meinem Dschungelbuch,
ich lauf' ja nicht davon.

Sieben wilde Löwen und ein kleines Schaf
lassen niemand zu mir, der nicht zu mir darf.

Simsalamander, Simsalabim.
Ich kann wieder zaubern, rat mal, wo ich jetzt bin?

~ Rio Reiser ~

Leider hab ich zu viel zu tun, aber müde bin ich trotzdem ... Das kommt davon, wenn man sich abends zu viel Kaffee presst und dann hellwach ist und sich bis in die frühen Morgenstunden einen merkwüdigen Eastern-Vampir-Komödien-Filme mit dem klingelnden Namen Chin gei bin ansieht.
in: Dolo's Dailies

26
Mrz
2006

Februar-Auslese: Nachtrag 2

Was für Mascara diese Dame wohl benutzt?

"Als Erstes fiel den Leuten meist die verschwenderische Lockenpracht auf, die ihre warmen, vor Intelligenz sprühenden grünen Augen umrahmte."

aus: Raymond Khoury, Skriptum

Man beachte auch die Ansammlung von Adjektiven, die in den nächsten Absätzen so weitergeführt wird :)
in:

9
Mrz
2006

Februar-Auslese: Nachtrag

Kann man deutschen Kids Dave McKean nicht zumuten, oder warum musste das Originalcover von "Coraline" einer solchen Scheußlichkeit weichen?
Das Original:

coraline_en

Die deutsche Version:

coraline_dt
in: Gelesenes

1
Mrz
2006

Februar-Auslese

Wenn schon zu sonst nichts anderem Zeit bleibt, dann doch zumindest zur Februar-Auslese:

Neil Gaiman, Coraline
Neil Gaiman halt :) - bedauerlicherweise hatte ich das Buch aus unserer Leihbücherei und da war es nur auf Deutsch erhältlich, ergo keine schönen Grafiken drinnen und ein sehr angepasstes Cover. Und unser kleiner Krieger hätte davon sicherlich auch Alpträume bekommen, aber mir hat's gefallen ... (*****)

Frank Schätzing, Der Schwarm
Nun hab ich ihn auch gelesen, den Thriller des Jahres 2004 und ich war nicht begeistert und nur mässig gut unterhalten. Zu viel Biochemie, zu viele Längen, zu viele Charaktere, die sich dann auch noch zu gut in alle möglichen Klischee-Ecken packen lassen und alternative Sci-Fi-Lebensformen, auch wenn sie den schönen Namen "Yrr" tragen (nett auch die zugehörige Wissenschaft: "Yrr-Lehre"), haben mir nach der Pubertät nicht mehr so recht zugesagt. (***)

Kai Meyer, Die Vatikan-Verschwörung

Manchmal mag ich ihn, den Herrn Meyer, manchmal nicht. "Die Vatikan-Verschörung" wurde schon im Jahr 2000 unter dem Titel "Das Haus des Dedalus" veröffentlicht und nach dem Dan Brown-Hype in neuem Layout und mit neuem Titel wieder aufgelegt. Eigentlich völlig unnötig, denn Herr Meyer ist ein viel besserer Fabulierer: Unterhaltsamer und spannender, glaubhaftere Charaktere und die Sätze sind länger und etwas anspruchsvoller :) (****)

Nick Hornby, A Long Way Down
Wenn man nach der ganzen FantastiFiction auf den Boden der englischen satirischen Sozialkritik zurückgeholt wird, ist das etwas gewöhnungsbedürftig. Nach dem Einlesen klappt das dann ganz gut, trotzdem hinterließ die Geschichte um vier potentielle Selbstmörder, die sich gegenseitig helfen, den Sinn des Lebens zu finden, keine bleibende Wirkung bei mir (***)

Raymond Khoury, Skriptum
Noch ein Dan Brown-Epigone (der weltbeste Ehemann sammelt die zurzeit ...), noch eine nette Geschichte um die Tempelritter und die letzten Geheimnisse des Christentums. Man merkt, dass der Autor als Drehbuchschreiber gearbeitet hat, denn eine Verfilmung davon könnte man sich prima vorstellen. Müsste man gar nicht mehr viel nachbearbeiten, die Sätze sind eh schon so kurz und alle Frauen schön und alle Männer Helden und der Monsignore aus dem Vatikan ist zugleich CIA-Agent - wow!
Und eine schöne - möglicherweise übersetzerische - Stilblüte habe ich gefunden, die wird gepostet, sobald ich das Buch in der Hand habe!
Auch wenn das Ende ab spätestens Mitte des Buchs absehbar ist, bleibt es doch spannend/nette Badewannenlektüre, aber gibt für fehlende Originalität nur drei Sternchen (***)
in: Gelesenes
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